Urlaubsanspruch in der Gastronomie berechnen: Formel, Teilzeit, Verfall (2026)

Urlaubsanspruch in der Gastronomie berechnen: Formel, Teilzeit, Verfall (2026)

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GastroDok-Redaktion — geprüft anhand der im Artikel zitierten Gesetze und Primärquellen.

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche (§ 3 BUrlG) — das entspricht 20 Tagen bei einer 5-Tage-Woche. Für Teilzeit und Minijob rechnen Sie: Urlaubstage = individuelle Arbeitstage pro Woche × 24 ÷ 6. Der volle Anspruch entsteht nach sechs Monaten Wartezeit (§ 4 BUrlG). Für die Umsetzung im Betrieb siehe Urlaubsplanung Gastronomie — dieser Artikel behandelt die Berechnung des Anspruchs.

GastroDok Redaktion · Veröffentlicht am

Wie viele Urlaubstage stehen zu?

Nach § 3 BUrlG beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche — das sind vier Wochen Erholung. Wer weniger Tage pro Woche arbeitet, hat entsprechend weniger Urlaubstage, aber dieselbe Zahl an Urlaubswochen. Die Umrechnungsformel lautet: Arbeitstage pro Woche × 24 ÷ 6 (bzw. × vertraglicher Jahresurlaub ÷ 6 bei mehr Urlaub im Vertrag).

Arbeitstage/WocheMindesturlaub Werktage/JahrBei 30 Tagen Vertragsurlaub (6-Tage-Basis)
6 Tage2430
5 Tage2025
4 Tage1620
3 Tage1215
2 Tage (typischer Minijob)810
1 Tag45

Rechtstext: § 3 BUrlG. Vertraglicher Mehrurlaub (z. B. 30 Tage) wird nach derselben Formel auf die tatsächliche Wochenarbeitsverteilung umgerechnet.

Urlaub bei Teilzeit & Minijob berechnen

Teilzeitkräfte und Minijobber haben denselben Anspruch auf vier Wochen Erholung — nur die Zahl der Urlaubstage sinkt entsprechend den Wochenarbeitstagen. Nicht die Wochenstundenzahl, sondern die Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage ist Bezugsgröße. Bruchteile werden ab 0,5 zugunsten des Arbeitnehmers aufgerundet, bei wechselnden Arbeitstagen zählt der Jahresdurchschnitt.

BeispielRechnungErgebnis
Minijob, 2 Arbeitstage/Woche2 × 24 ÷ 68 Tage
Teilzeit, 3 Arbeitstage/Woche, 30 Vertragstage3 × 30 ÷ 615 Tage
Teilzeit, 4 Arbeitstage/Woche, 28 Vertragstage4 × 28 ÷ 6 = 18,6719 Tage (aufgerundet)
Vollzeit 5-Tage-Woche, 30 Vertragstage5 × 30 ÷ 625 Tage

Bei wechselnden Dienstplänen (typisch für Service und Küche) wird der Jahresdurchschnitt der Arbeitstage pro Woche zugrunde gelegt. Für die Umsetzung im Dienstplan siehe Dienstplan Gastronomie Excel.

Wartezeit, Eintritts- und Austrittsjahr

Der volle Urlaubsanspruch entsteht nach sechs Monaten Betriebs­ zugehörigkeit (§ 4 BUrlG). Vorher und beim Austritt in der ersten Jahreshälfte besteht ein Teilurlaub von einem Zwölftel des Jahresurlaubs pro vollen Beschäftigungsmonat (§ 5 BUrlG). Elternzeit kürzt den Anspruch um ein Zwölftel je vollem Monat (§ 17 BEEG), wenn der Arbeitgeber vor Antritt kürzt.

SituationAnspruchRechtsgrundlage
Erstes halbes Jahr (vor Wartezeit)1/12 des Jahresurlaubs je vollem Monat§ 5 Abs. 1 lit. a BUrlG
Eintritt in der zweiten Jahreshälfte1/12 je vollem Monat§ 5 Abs. 1 lit. b BUrlG
Austritt vor 30.6.1/12 je vollem Monat§ 5 Abs. 1 lit. c BUrlG
Austritt ab 1.7. nach erfüllter Wartezeitvoller Jahresurlaub§ 4 i. V. m. § 5 Abs. 3 BUrlG
ElternzeitKürzung um 1/12 je Monat (nur mit Erklärung des Arbeitgebers vor Antritt)§ 17 Abs. 1 BEEG

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Verfällt der Urlaub zum Jahresende?

Grundsätzlich verfällt Urlaub am 31.12. und kann nach § 7 Abs. 3 BUrlG nur bei betrieblichen oder persönlichen Gründen bis zum 31.3. des Folgejahres übertragen werden. Nach BAG 19.2.2019 – 9 AZR 541/15 (in Umsetzung EuGH C-684/16) verfällt Urlaub aber nur, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer vorher konkret aufgefordert und auf den drohenden Verfall hingewiesen hat.

Das BAG hat mit Urteil vom 20.12.2022 – 9 AZR 266/20 nachgeschoben: Auch die dreijährige Verjährungsfrist beginnt erst zu laufen, wenn die Hinweispflicht erfüllt wurde. Wer als Arbeitgeber Urlaubsansprüche auslaufen lassen will, muss die Aufforderung nachweisbar dokumentieren — sinnvoll ist eine schriftliche Erinnerung im ersten Quartal, aus der Restanspruch, Verfallsdatum und Rechtsfolge klar hervorgehen. Volltext: BAG 9 AZR 541/15 und Rechtstext § 7 BUrlG.

Urlaubsentgelt & Abgeltung

Das Urlaubsentgelt bemisst sich nach § 11 BUrlG am durchschnittlichen Arbeitsverdienst der letzten dreizehn Wochen vor Urlaubsbeginn — einschließlich regelmäßiger Zuschläge. Überstunden bleiben außen vor, Trinkgeld in der Regel ebenfalls (Einzelfallbetrachtung). Eine finanzielle Abgeltung ist nur bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zulässig (§ 7 Abs. 4 BUrlG) — nicht im laufenden Vertrag.

LohnbestandteilUrlaubsentgelt?Bemerkung
Grundlohn / MindestlohnJasiehe Mindestlohn Gastronomie
Regelmäßige Nacht-/SFN-ZuschlägeJaDurchschnitt 13 Wochen
ÜberstundenvergütungNein§ 11 Abs. 1 BUrlG
TrinkgeldRegelmäßig neinEinzelfallbetrachtung, Zahlung Dritter
Einmalzahlungen (z. B. Weihnachtsgeld)NeinSonderzahlungen bleiben unberücksichtigt

Urlaubsklauseln (Umfang, Übertragung, Verfall) gehören in den Arbeitsvertrag Gastronomie — inklusive der Hinweispflicht nach BAG-Rechtsprechung.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert zum deutschen Arbeitsrecht auf Grundlage des Bundesurlaubsgesetzes und der zitierten BAG-/EuGH- Rechtsprechung. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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Häufige Fragen

Wie viele Urlaubstage stehen mindestens zu?
Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt nach § 3 BUrlG 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche — das sind vier Wochen im Jahr. Bei einer 5-Tage-Woche entspricht das 20 Arbeitstagen. Die Werktagsberechnung schließt den Samstag ein, auch wenn im Betrieb nur montags bis freitags gearbeitet wird.
Wie berechne ich Teilzeit- und Minijob-Urlaub?
Die Formel lautet: individuelle Arbeitstage pro Woche × 24 ÷ 6 (gesetzlicher Mindesturlaub) oder × vertraglicher Jahresurlaub ÷ 6. Beispiel Minijob mit 2 Arbeitstagen pro Woche: 2 × 24 ÷ 6 = 8 Urlaubstage. Bruchteile ab 0,5 werden zugunsten des Arbeitnehmers aufgerundet.
Verfällt der Urlaub zum Jahresende?
Nur wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer rechtzeitig konkret aufgefordert hat, Urlaub zu nehmen, und ihn ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass der Anspruch sonst verfällt (BAG 19.2.2019 – 9 AZR 541/15, EuGH C-684/16). Ohne diesen Hinweis läuft der Anspruch weiter und verjährt nach BAG 20.12.2022 – 9 AZR 266/20 auch erst dann.
Kann ich mir Urlaub auszahlen lassen?
Grundsätzlich nein. Urlaub soll der Erholung dienen und ist in natura zu gewähren. Eine finanzielle Abgeltung ist nach § 7 Abs. 4 BUrlG nur zulässig, wenn der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr genommen werden kann.
Wie viel Urlaub im ersten Beschäftigungsjahr?
Der volle Urlaubsanspruch entsteht nach sechs Monaten Wartezeit (§ 4 BUrlG). Vorher besteht nach § 5 Abs. 1 BUrlG ein Teilurlaub von einem Zwölftel pro vollen Beschäftigungsmonat. Wer am 1. Oktober startet, hat im laufenden Jahr also drei Zwölftel des Jahresurlaubs.

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