
Getränkekarte erstellen: Aufbau, Preise & Pflichtangaben
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GastroDok-Redaktion — geprüft anhand der im Artikel zitierten Gesetze und Primärquellen.
Eine gute Getränkekarte ist mehr als eine Preisliste: Reihenfolge, Preisdarstellung, Fußnoten und Format entscheiden über Umsatz je Gast und über die Rechtssicherheit. Falsche Endpreise oder fehlende Zusatzstoff-Kenntlichmachung sind Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bis 25.000 € (PAngV) bzw. 50.000 € (LMIDV).
Dieser Ratgeber zeigt den empfehlenswerten Aufbau, die Pflichtangaben aus PAngV, LMIV/LMIDV und GastG und stellt Word-, Canva- und Designer-Workflows gegenüber. Für die Kalkulation der Preise siehe Getränkekalkulation; für ein online-Tool zur Gestaltung Speisekarten-Designer (unterstützt auch Getränkekarten).
GastroDok Redaktion · Veröffentlicht am
Empfohlener Aufbau — Kategorien in der richtigen Reihenfolge
Reihenfolge folgt Konsumverlauf und Cross-Selling-Logik: Der Gast bestellt zuerst Wasser oder Softdrink, später Wein, dann Digestif. Steht der Digestif oben, wird er selten mitbestellt. Bewährter Aufbau in 10 Blöcken:
- Heißgetränke (Kaffee, Espresso, Tee)
- Softdrinks / Erfrischungsgetränke
- Säfte, Schorlen, Smoothies
- Mineralwasser (medium / still, 0,25 / 0,75 l)
- Bier vom Fass und aus der Flasche
- Wein — Weiß, Rosé, Rot, Schaumwein (je 0,1 / 0,2 / 0,75 l)
- Aperitifs (Aperol, Hugo, Sherry)
- Longdrinks & Cocktails
- Spirituosen (Whisky, Rum, Gin, Wodka, Brände)
- Digestifs / Kaffeespezialitäten
Pflichtangaben nach PAngV, LMIV/LMIDV und GastG
| Vorschrift | Was gehört auf die Karte | Bußgeld-Rahmen |
|---|---|---|
| § 3 PAngV | Endpreis (brutto, inkl. Bedienung), Füllmenge | bis 25.000 € |
| § 7 PAngV | Preisverzeichnis am/im Lokal, für Gäste einsehbar | bis 25.000 € |
| Art. 44 LMIV, § 4 LMIDV | Allergen-Angabe bei loser Ware (auch Getränke: Sulfite im Wein!) | bis 50.000 € |
| § 9 ZZulV i.V.m. LMIDV | Zusatzstoff-Kenntlichmachung (Farbstoff, Konservierungsstoff, Süßungsmittel, koffeinhaltig, chininhaltig) | bis 50.000 € |
| § 6 GastG (Apfelsaftklausel) | Mind. ein alkoholfreies Getränk nicht teurer als das billigste alkoholische gleicher Menge | bis 5.000 € |
Die Apfelsaftklausel wird häufig unterschätzt: Kostet das billigste Bier 4,20 €/0,3 l, muss ein alkoholfreies Getränk in 0,3 l zu maximal 4,20 € angeboten werden — sonst Ordnungswidrigkeit.
Preispsychologie ohne Recht zu brechen
Die Karte darf gestalten, was das Auge lenkt — sie darf nicht die Pflichtangaben verstecken. Bewährte, rechtssichere Techniken: Preise ohne €-Symbol, saubere Ausrichtung, keine Führungspunkte, gezielt platzierte „Anker“.
- Kein €-Symbol hinter den Preisen — das Symbol aktiviert Bezahlschmerz. Zulässig, solange die Karte einleitend „Alle Preise in Euro, inkl. USt.“ vermerkt.
- Preis direkt unter der Bezeichnung, nicht am Zeilenende mit Führungspunkten (senkt Preisvergleich zwischen Positionen).
- Anker-Positionen: Ein bewusst hochpreisiges Item (Premium-Wein, Signature-Cocktail) macht die mittleren Preise günstiger wirken.
- Rechenehrlichkeit: Preise wie 6,90 statt 6,89 — vermeidet „amerikanisches“ Ende und wirkt seriöser.
- Verzicht auf viele „Sonderaktionen“ auf der Hauptkarte — sie signalisieren Preiskampf statt Qualität.
Word, Canva oder Online-Designer?
| Kriterium | Word-Vorlage | Canva | Online-Designer |
|---|---|---|---|
| Änderungstempo | Sehr schnell | Mittel | Sehr schnell |
| Design-Freiheit | Mittel | Hoch | Mittel (Design-Presets) |
| Pflichtangaben-Hilfe | Manuell | Manuell | Legende automatisch |
| PDF-Druckqualität | Gut (PDF-Export) | Gut | Sehr gut (druckoptimiert) |
| Kosten | 19 € (Getränkekarte-Vorlage) | ab 0 € / Pro-Abo | ab 0 € / 9 € / 19 € (Designer) |
In 6 Schritten zur fertigen Getränkekarte
- Sortiment festlegen: Was gehört auf die Karte, was auf die Tagesempfehlung.
- Preise kalkulieren — siehe Getränkekalkulation.
- Kategorien in empfohlener Reihenfolge sortieren.
- Pflichtangaben ergänzen: Füllmenge, Zusatzstoff-Fußnoten, Allergene, Apfelsaftklausel prüfen.
- Design wählen — Vorlage, Canva oder Designer. Format A4 oder DIN lang.
- Als PDF exportieren, laminieren oder in Wechselhüllen — schnelle Preisänderung möglich.
Haftungshinweis: Rechtsstand Juli 2026. Landesrechtliche Besonderheiten (z. B. Anmeldung Preisverzeichnis, örtliche Vergnügungssteuer) sind nicht abgedeckt. Bei Unsicherheit die zuständige Ordnungsbehörde bzw. Lebensmittelaufsicht einbinden.
Fertiges Produkt
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Häufige Fragen
- Welche Angaben sind auf einer Getränkekarte Pflicht?
- Endpreise inkl. USt und Bedienungsgeld (§ 3, § 7 PAngV), Füllmenge in Litern bei ausgeschenkten Getränken, Zusatzstoff-Kenntlichmachung (§ 9 ZZulV i.V.m. LMIDV), Allergen-Angabe bei loser Ware (Art. 44 LMIV, § 4 LMIDV) und bei Speisegaststätten mindestens ein alkoholfreies Getränk, das nicht teurer ist als das billigste alkoholische Getränk gleicher Menge (§ 6 GastG — sog. Apfelsaftklausel).
- In welcher Reihenfolge sollten die Kategorien stehen?
- Bewährt: Heißgetränke → Erfrischungsgetränke/Softdrinks → Säfte/Schorlen → Wasser → Bier → Wein (Weiß/Rosé/Rot/Schaumwein) → Aperitifs → Longdrinks/Cocktails → Spirituosen → Digestifs. Diese Reihenfolge spiegelt den typischen Konsumverlauf und macht Cross-Selling einfacher.
- Muss die Füllmenge auf der Karte stehen?
- Ja. § 3 PAngV verlangt bei losen Waren die Angabe des Preises je Mengeneinheit. Bei Getränken ist die Füllmenge in Litern (0,3 l, 0,4 l, 0,75 l) direkt beim Preis anzugeben. Bei Cocktails ist die Füllmenge nicht zwingend, sofern eine ortsübliche Standardmenge geschenkt wird.
- Wie kennzeichne ich Zusatzstoffe auf der Getränkekarte?
- Über Fußnoten mit Ziffern: 1 = mit Farbstoff (z.B. viele Limonaden), 2 = mit Konservierungsstoff, 3 = mit Antioxidationsmittel, 4 = mit Geschmacksverstärker, 5 = geschwefelt (Wein, Sekt), 6 = geschwärzt (Oliven-Cocktailgarnitur), 7 = gewachst, 8 = Phosphat, 9 = Süßungsmittel, 10 = mit einer Phenylalaninquelle, 11 = koffeinhaltig, 12 = chininhaltig. Die Zeichen erscheinen als hochgestellte Ziffer beim Getränk plus Legende am Karten-Ende.
- Word, Canva oder Online-Designer — was ist besser?
- Word: schnell änderbar, gut für Textlastige Karten, wenn Ihre Corporate-Vorlage steht. Canva: mehr Designfreiheit, aber Team-Abo für Wechselhüllen-Formate empfehlenswert. Online-Designer (z. B. der GastroDok Speisekarten-Designer): interaktive Live-Vorschau, Allergen-/Zusatzstoff-Legende automatisch, PDF-Export druckfertig — sinnvoll, wenn Sie ohne Designer-Wissen ein sauberes Ergebnis brauchen.
- Wie oft sollte die Karte aktualisiert werden?
- Preisänderungen sofort — eine Karte mit falschem Preis ist wettbewerbswidrig und ein Verstoß gegen die PAngV (Bußgeld bis 25.000 €). Sortiment: saisonal mindestens quartalsweise. Wechselhüllen und laminierte Karten machen Änderungen wirtschaftlich vertretbar.