Speisekarte gestalten: Aufbau, Typografie & Recht

Speisekarte gestalten: Aufbau, Typografie & Recht

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GastroDok-Redaktion — geprüft anhand der im Artikel zitierten Gesetze und Primärquellen.

Die Gestaltung einer Speisekarte entscheidet über Lesbarkeit, gefühlte Preisqualität und Umsatz je Gast — noch bevor der Text gelesen wird. Dieser Ratgeber beschränkt sich auf Design, Typografie, Format und Material sowie die Pflichtangaben, die in der Gestaltung Platz brauchen.

Klar abgegrenzt: die Speisekarten-Kalkulation berechnet Preise, Menu Engineering optimiert Profitabilität durch Renner-Penner-Analyse, fertige Layouts liefert das Speisekarten-Paket, ein interaktives Werkzeug der Speisekarten-Designer. Hier geht es ausschließlich um die Gestaltungslehre.

GastroDok Redaktion · Veröffentlicht am

Struktur und Reihenfolge

Reihenfolge folgt dem Konsumverlauf: Vorspeisen, Suppen, Salate, Hauptgerichte (nach Warengruppe: Fisch, Fleisch, Vegetarisch), Beilagen, Desserts, Kinderkarte, Tagesempfehlungen. In jeder Kategorie 5–7 Positionen — mehr überfordert die Entscheidung („Paradox of Choice“) und verlängert die Bestellzeit.

Am Kopf einer Kategorie steht die zugkräftigste Position, am Fuß eine Ankerposition mit gehobenem Preis. Die Mitte („Blindfleck“) ist die schwächste Position — dort gehören keine Renner.

Typografie und Lesbarkeit

ElementEmpfehlungWarum
Kategorie-Überschrift16–20 pt, Versalien oder KapitälchenKlare Trennung, blickführung
Gerichtsname11–13 pt, halbfettLesbar auch bei Kerzenlicht
Beschreibung9–10 pt, regulärSekundär, nicht dominant
Preis10–12 pt, ohne €-SymbolWeniger „Bezahlschmerz“
Allergen-LegendeMind. 8 pt, klar lesbarLMIV-Vorgabe „gut lesbar“
Zeilenabstand1,2–1,4Ruhiges Bild, weniger Ermüdung

Kombinieren Sie eine Serifenschrift für Überschriften (Playfair, Merriweather, Garamond) mit einer serifenlosen Schrift für Beschreibungen (Inter, Lato, Source Sans). Mehr als zwei Schriftfamilien wirken unruhig.

Format und Material

FormatEinsatzMaterial
A4 HochformatHauptkarte, gehobene Küche250 g/m² Softtouch, ggf. Buchbindung
A5 HochformatBistro, Café200 g/m² laminiert oder Wechselhülle
DIN lang (99 × 210 mm)Getränkekarte, Tageskarte250 g/m² beidseitig bedruckbar
Klemmbrett / TabletCasual, moderne BistrosWechselblätter, schnelle Änderung
KreidetafelTageskarte, EmpfehlungenHandschrift = Frische-Signal

Für Betriebe mit häufigen Preisänderungen sind Wechselhüllen oder laminierte Karten wirtschaftlich sinnvoll — sonst führt jede Preisanpassung zu Neu-Druck der gesamten Auflage.

Fotos — ja oder nein?

Fotos gehören auf Fast-Casual- und Lieferkarten (Pizza, Burger, Sushi), nicht in gehobenen Restaurants. Wenn Fotos, dann alle Gerichte in gleicher Qualität und aus gleichem Winkel — sonst wirkt die Karte inkonsistent. Achtung § 5 UWG: Das Foto muss dem Teller entsprechen (Portion, Beilagen, Präsentation), sonst „Irreführende Werbung“.

Pflichtangaben in der Gestaltung einplanen

  • Endpreis inkl. USt direkt beim Gericht. Formulierung „Alle Preise in Euro, inkl. Bedienung und USt.“ im Fuß der Karte oder Karten-Einleitung.
  • Allergen-Kennzeichnung: 14 Buchstaben a–r direkt hinter dem Gericht (z. B. „Schnitzel Wiener Art (a, c, g)“) plus Legende im Karten-Fuß. Grundlage: LMIV Art. 44 i.V.m. § 4 LMIDV. Details unter Allergenkennzeichnung Gastronomie.
  • Zusatzstoff-Fußnoten (1 = mit Farbstoff etc.) direkt am Gericht als hochgestellte Ziffer plus Legende.
  • Herkunftsangabe Rindfleisch: bei loser Ware Herkunftsstaat auf der Karte oder in der Ausgabe sichtbar (Rindfleischetikettierungsgesetz).
  • Zusätze für Wein: Rebsorte, Jahrgang und Anbaugebiet auf Weinkarten üblich, nicht rechtlich zwingend.

Design-Fehler, die Umsatz kosten

  1. Führungspunkte zwischen Name und Preis — provozieren Preisvergleich, senken Bestellwert.
  2. €-Symbol hinter jedem Preis — aktiviert Bezahlschmerz.
  3. Zu viele Positionen (mehr als 7 pro Kategorie) — Entscheidungslähmung.
  4. Zu enge Zeilenabstände — Karte wirkt gedrängt.
  5. Beschreibung länger als drei Zeilen — kaum gelesen, verzögert Bestellung.
  6. Handschriftliche Preisänderungen — signalisiert Unprofessionalität.

Haftungshinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine wettbewerbsrechtliche oder lebensmittelrechtliche Beratung. Bei Änderungen an bestehenden Karten prüfen Sie Preisangaben (PAngV), Kennzeichnung (LMIV/LMIDV) und lauterkeitsrechtliche Aussagen (§ 5 UWG) individuell.

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Häufige Fragen

Welche Schriftgröße gehört auf eine Speisekarte?
Für Gerichtsnamen 11–13 pt, für Beschreibungen 9–10 pt, für die Allergen-Legende mindestens 8 pt. Kleiner ist rechtlich problematisch (LMIV verlangt gut lesbare Kennzeichnung) und bei schlechtem Licht praktisch unlesbar.
Sollten Fotos auf die Speisekarte?
Nur bei Fast-Casual- oder Selbstbedienungskonzepten sinnvoll. In gehobenen Restaurants gilt Text plus knappe Beschreibung als hochwertiger. Fotos müssen dem servierten Teller entsprechen, sonst greift § 5 UWG (irreführende Werbung).
Welches Papier und Format eignen sich?
A4 oder A5 im Hochformat sind Standard. Für wechselnde Tageskarten Wechselhüllen (A4/A5) oder DIN lang. Papier: 160–250 g/m² für Einzelkarten, laminiert 250 µ für Alltag mit Feuchtigkeit. Farbige Softtouch-Kartons wirken hochwertig, aber nicht in feuchten Umgebungen.
Welche Pflichtangaben müssen bei der Gestaltung berücksichtigt werden?
Endpreis inkl. USt (§ 3 PAngV), Allergen-Kennzeichnung nach LMIV/LMIDV (14 Allergene a–r), Zusatzstoff-Kenntlichmachung (Fußnoten 1–13), Herkunftsangabe bei Rindfleisch. Diese Angaben brauchen Platz in der Gestaltung — Fußzeilen und Legenden gehören eingeplant.
Wie unterscheidet sich Gestalten von Kalkulieren und Menu Engineering?
Gestalten = Design, Typografie, Format, Material. Kalkulieren = Preise berechnen (siehe /speisekarten-kalkulation). Menu Engineering = Renner-Penner-Analyse und Platzierung profitabler Gerichte (siehe /menu-engineering). Alle drei greifen ineinander, sind aber unterschiedliche Disziplinen.
Barrierefreiheit — was ist zu beachten?
Kontrastverhältnis mindestens 4,5:1 zwischen Schrift und Untergrund, Schrift ab 11 pt, klare serifenlose Fonts für Menschen mit Leseschwierigkeiten, klare Trennung von Kategorien. Für Gäste mit Sehbehinderung Groß-Druck-Version (A4, 14 pt) bereithalten.

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